Das Projekt

Seit 2019 betreibt TWIKATANE e.V. eine kostenlose Schule in Kabwe, Sambia – mit heute 660 Kindern, eigenem Brunnen, Solarstrom und einer Schulküche, die täglich warme Mahlzeiten für alle liefert.

Ein Versprechen, das alles veränderte

Ende 2017 besuchte der Kölner Bauunternehmer Joachim Deinert ein Frauenhaus in Kabwe, der zweitgrößten Stadt Sambias im südlichen Afrika. Das Haus war wenige Jahre zuvor von der Berliner Naturkosmetikfirma i+m gemeinsam mit der gebürtigen Sambierin Beatrice Chama und dem Verein „Frauenhäuser für Afrika e.V.“ errichtet worden – ein Zufluchtsort für Frauen und Kinder, die vor Gewalt fliehen mussten.

Was Deinert dort sah, ließ ihn nicht mehr los: Hunderte Kinder in der umliegenden Siedlung, die keinen Zugang zu Bildung hatten. Über Bernhard von Glasenapp von i+m entstand eine Idee – auf dem ungenutzten Teil des Frauenhaus-Geländes eine Schule zu errichten. Ursprünglich geplant für 80 Kinder. Deinert gründete den Verein „Ein Haus für Kinder e.V.“ und machte sich an die Planung.

Im April 2018 reiste Deinert nach Sambia, um das Grundstück zu besichtigen. Bei einer Informationsveranstaltung für die Bewohner der umliegenden Siedlung geschah etwas Ungeplantes: Die Liste der Kinder, die dringend einen Schulplatz brauchten, wuchs und wuchs – am Ende standen 380 Mädchen und Jungen im Alter von fünf bis zehn Jahren darauf.

Joachim Deinert fasste einen Entschluss, der das gesamte Projekt verändern sollte: „Jeder der hier Anwesenden bekommt einen Schulplatz.“ Der Plan wuchs um das Viereinhalbfache. Noch vor Ort wurde Juliette eingestellt, die den Bau und Betrieb vor Ort organisieren und wöchentlich dokumentieren sollte. Ein Toyota 4x4 für Transporte über die meist unbefestigten Straßen wurde angeschafft, und der Bau des ersten Schulgebäudes mit zehn Klassenräumen begann.

Am 16. Januar 2019 – nach rund acht Monaten Bauzeit – öffnete die Schule ihre Türen. Kostenloser Unterricht und eine warme Mahlzeit pro Tag für jedes Kind. Ein Versprechen, eingelöst.

Die Schule heute

Was 2019 mit zwei ersten Klassen begann, ist heute zu einem lebendigen Bildungszentrum herangewachsen. 2020 fusionierten die beiden Gründungsvereine „Frauenhäuser für Afrika e.V.“ und „Ein Haus für Kinder e.V.“ zu TWIKATANE e.V. – der Name stammt aus der Sprache Bemba und bedeutet Einheit, Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit. Seit Beginn des Schuljahres 2026 lernen rund 660 Schülerinnen und Schüler an der Schule – in vier Vorschulklassen sowie den Klassenstufen 1 bis 8, jeweils zweizügig.

Drei Gebäudekomplexe mit insgesamt 28 Klassenräumen stehen auf dem rund 50.000 Quadratmeter großen Gelände, das von einer 800 Meter langen Mauer umgeben ist. Dazu kommen Räume für die Schulleitung, ein großes Lehrerzimmer, ein Computerraum, ein Raum für die Inklusionsklasse und die Förderlehrkräfte – und seit Februar 2026 eine eigene kleine Bücherei.

Ein besonderer Meilenstein: 55 der Erstklässler von 2019 haben 2025 erfolgreich ihr Examen nach Klasse 7 bestanden und besuchen nun die neue Secondary School. Die Schule wächst – mit ihren Kindern.

Das Prinzip hat sich von Anfang an bewährt: Jede Klasse hat maximal 35 Kinder – während der sambische Durchschnitt bei 51 Schülerinnen und Schülern pro Lehrkraft liegt, teilweise sogar bei 70. Der Unterricht ist komplett kostenlos, und jedes Kind erhält täglich eine warme Mahlzeit aus der Schulküche.

Die Schule funktioniert als Leuchtturmprojekt in Kooperation mit dem sambischen Staat: Die Regierung stellt die Lehrkräfte, TWIKATANE e.V. finanziert Gebäude, Infrastruktur, Lehrmaterialien, Schulessen und Uniformen. Die pädagogische Begleitung aus Deutschland übernimmt Birgit Deinert.

Die Schule ist das Herzstück – aber um sie herum ist ein ganzes Ökosystem entstanden, das auf Nachhaltigkeit und Selbstversorgung setzt.

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Schulküche

Täglich 400 kostenlose warme Mahlzeiten für alle Kinder, zubereitet von vier Köchinnen.

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Schulgarten

Permakulturprojekt seit 2020: Jede Klasse pflegt eine eigene Parzelle. Langfristziel ist die vollständige Selbstversorgung der Schule geplant.

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Brunnen

Sichere Trinkwasserversorgung für alle Schüler und Mitarbeiter, auch während der Trockenzeit.

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Photovoltaikanlage

Photovoltaiktechnik auf dem Schuldach macht die Schule unabhängig vom fragilen Stromnetz Sambias.

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Hühnerhaltung

Eigener Hühnerstall mit rund 230 Hühnern als weiterer Baustein der Selbstversorgung.

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Mädchen-Fußballmannschaft

Empowerment für Mädchen in einem Land, dessen Frauenfußball-Nationalteam zu den besten Afrikas gehört.

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Inklusionsklasse

Spezialklasse für Kinder mit körperlichen Einschränkungen, betreut durch SonderpädagogInnen.

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Erwachsenenbildung

Nachmittagsunterricht für Analphabeten seit 2021, ein Pionierprojekt in Sambia.

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Baumpflanzprojekt

Pilotprojekt auf 1 Hektar, um die Emissionen von Hauptförderer i+m Naturkosmetik direkt vor Ort zu kompensieren.

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Vorschule

Ab 2025 frühkindliche Bildung für Kinder aus besonders bildungsfernen Familien.

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Kulturzentrum

Das ehemalige Frauenhaus wird zu einem offenen Zentrum mit Schwerpunkt Frauen- und Genderthemen umgewandelt.

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Kooperation mit Zahnärzte ohne Grenzen

Seit 2024 betreibt die DWLF eine Zahnklinik in Räumlichkeiten der Schule.

Warum Sambia?

Sambia gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Rund 60 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze, legt man den internationalen Maßstab von 5,50 US-Dollar pro Tag an, sind es über 90 Prozent. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt. Die Schulpflicht beträgt nur sieben Jahre – international liegt der Durchschnitt bei über zehn.

Der Schulbesuch an staatlichen Grundschulen ist seit 2002 offiziell kostenlos. Doch indirekte Kosten – Uniformen, Schulmaterialien, Transport – bleiben für viele Familien unüberwindbare Hürden. Die Folgen sind gravierend: Nur vier Prozent der Zweitklässler erreichen die staatliche Mindest-Lesekompetenz. 42 Prozent der Mädchen im Sekundarschulalter gehen nicht zur Schule, häufig wegen früher Heirat oder Schwangerschaft.

Kabwe, die zweitgrößte Stadt Sambias und Standort der TWIKATANE-Schule, ist von extremer Armut geprägt. Die Kinder, die unsere Schule besuchen, kommen größtenteils aus den umliegenden Compounds – informellen Siedlungen mit Lehmhäusern, ohne fließendes Wasser und oft ohne Stromanschluss. Für diese Kinder bedeutet die TWIKATANE-Schule nicht nur Bildung, sondern oft auch die einzige verlässliche Mahlzeit am Tag.

Wie wir arbeiten

100 % der Spenden fließen ins Projekt. Die gesamte Vereinsarbeit in Deutschland wird ehrenamtlich geleistet – kein Euro geht für Verwaltung oder Gehälter in Deutschland verloren.

Vor Ort arbeiten ausschließlich sambische Lehrkräfte und Mitarbeiter*innen. Wo immer möglich, beziehen wir Hilfsgüter von regionalen Anbietern. Das schafft Arbeitsplätze vor Ort und stärkt die lokale Wirtschaft.

Die Schule ist ein Kooperationsprojekt mit dem sambischen Staat: Die Regierung stellt das Lehrpersonal, TWIKATANE e.V. finanziert den Rest. Ein Modell auf Augenhöhe, das langfristig tragfähig ist.

Wir kommunizieren auch schwierige Entscheidungen offen. Das Frauenhaus, mit dem alles begann, wurde 2024 endgültig geschlossen – Behördenauflagen und fehlendes Fachpersonal machten einen verantwortungsvollen Weiterbetrieb unmöglich. Stattdessen wird das Gebäude nun zu einem offenen Kulturzentrum mit Schwerpunkt Frauen- und Genderthemen umgewandelt.

Wie es weitergeht

Die Schule wächst jedes Jahr um zwei Klassen. Bis 2027 soll sie neun Jahrgänge umfassen und rund 700 Kindern eine Bildungsperspektive bieten. Das Permakultur-Projekt wird ausgebaut, das Baumpflanzprojekt erweitert, und das geplante Kulturzentrum soll neue Impulse für die Gemeinde setzen.